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Kerzen (231)
Hier finden Sie alle Gedenkkerzen, die für Stefan Mickisch entzündet wurden. Wir laden Sie herzlich ein, selbst eine Kerze mit einer kurzen, persönlichen Nachricht zu hinterlassen.
Gedenkkerze
Inge Soder
Der Februar
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht
bleibt ja doch nur eins: die Zeit.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
falschen Bart und goldnen Kram.
Pünktlich sperrt sie in die Truhe
Sorgenkleid und falsche Scham.
In Brokat und seidnen Resten,
eine Maske vorm Gesicht,
kommt sie dann zu unsren Festen.
Wir erkennen sie nur nicht.
Bei Trompeten und Gitarren
drehn wir uns im Labyrinth
und sind aufgeputzte Narren
um zu scheinen, was wir sind.
Unsre Orden sind Attrappe.
Bunter Schnee ist aus Papier.
Unsre Nasen sind aus Pappe.
Und aus welchem Stoff sind wir?
Bleich, als sähe er Gespenster,
mustert uns Prinz Karneval.
Aschermittwoch starrt durchs Fenster.
Und die Zeit verläßt den Saal.
Pünktlich legt sie in die Truhe
das Vorüber und Vorbei.
Pünktlich holt sie aus der Truhe
Sorgenkleid und Einerlei.
Nordwind bläst. Und Südwind weht.
Und es schneit. Und taut. Und schneit.
Und indes die Zeit vergeht,
bleibt uns doch nur eins: die Zeit.
Erich Kästner
*23. Februar 1899 in Dresden; + 29. Juli 1974 in München
entnommen aus Gedichtzyklus "Die dreizehn Monate", 1955
Gedenkkerze
Inge Soder
Der Januar
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Der Weihnachtsmann ging heim in seinen Wald.
Doch riecht es noch nach Krapfen auf der Stiege.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Man steht am Fenster und wird langsam alt.
Die Amseln frieren.
Und die Krähen darben.
Und auch der Mensch hat seine liebe Not.
Die leeren Felder sehnen sich nach Garben.
Die Welt ist schwarz und weiß und ohne Farben.
Und wär so gerne gelb und blau und rot.
Umringt von Kindern wie der Rattenfänger,
tanzt auf dem Eise stolz der Januar.
Der Bussard zieht die Kreise eng und enger.
Es heißt, die Tage würden wieder länger.
Man merkt es nicht. Und es ist trotzdem wahr.
Die Wolken bringen Schnee aus fremden Ländern.
Und niemand hält sie auf und fordert Zoll.
Silvester hörte man’s auf allen Sendern,
dass sich auch unterm Himmel manches ändern
und, außer uns, viel besser werden soll.
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und ist doch hunderttausend Jahre alt.
Es träumt von Frieden. Oder träumt’s vom Kriege?
Das Jahr ist klein und liegt noch in der Wiege.
Und stirbt in einem Jahr. Und das ist bald.
Erich Kästner
*23. Februar 1899 in Dresden; + 29. Juli 1974 in München
entnommen aus Gedichtzyklus "Die dreizehn Monate", 1955
Gedenkkerze
Inge Soder
Der du mit dem Flammenspeere!
Der du mit dem Flammenspeere
Meiner Seele Eis zertheilt,
Dass sie brausend nun zum Meere
Ihrer höchsten Hoffnung eilt:
Heller stets und stets gesunder,
Frei im liebevollsten Muss: –
Also preist sie deine Wunder,
Schönster Januarius!
Friedrich Wilhelm Nietzsche
* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen
+ 25. August 1900 in Weimar
aus: Zyklen- und sammlungsfreie Gedichte
Gedenkkerze
Inge Soder
Stefan Mickisch
Nietzsche ist einer der größten Geister der Weltgeschichte. Besonders lustig finde ich Menschen, die ihn abqualifizieren, ohne eine Zeile von ihm gelesen zu haben. Ein Buch alleine reicht auch nicht. Um über Nietzsche etwas mitreden zu können, muß man das, was wir durch Wagner von ihm wissen, weit hinter sich lassen, und mehr bringen als Vorurteile und vage Ansichten Dritter. Man muß die Originale lesen.
(Zitat entnommen aus seiner Bücherliste)
276
Zum neuen Jahr. —
Noch lebe ich, noch denke ich: ich muss noch leben, denn ich muss noch denken. Sum, ergo cogito: cogito, ergo sum. Heute erlaubt sich Jedermann seinen Wunsch und liebsten Gedanken auszusprechen: nun, so will auch ich sagen, was ich mir heute von mir selber wünschte und welcher Gedanke mir dieses Jahr zuerst über das Herz lief, — welcher Gedanke mir Grund, Bürgschaft und Süßigkeit alles weiteren Lebens sein soll! Ich will immer mehr lernen, das Notwendige an den Dingen als das Schöne sehen: — so werde ich Einer von Denen sein, welche die Dinge schön machen. Amor fati: das sei von nun an meine Liebe! Ich will keinen Krieg gegen das Hässliche führen. Ich will nicht anklagen, ich will nicht einmal die Ankläger anklagen. Wegsehen sei meine einzige Verneinung! Und, Alles in Allem und Großen: ich will irgendwann einmal nur noch ein Ja-sagender sein!
Friedrich Wilhelm Nietzsche
* 15. Oktober 1844 in Röcken bei Lützen
+ 25. August 1900 in Weimar
aus: Die fröhliche Wissenschaft, Viertes Buch, 276
Gedenkkerze
Inge Soder
STEFAN MICKISCH
Musikwissenschaftler- Pianist- Philosoph- Freiheitsliebender
Bücherliste
(entnommen aus seiner Webseite)
"Hier gebe ich Bücher an, die mir wichtig waren und sind, sei es daß sie meiner bisherigen Grundmeinung widersprachen, sie gestützt oder sie verändert haben. Musik- und Geisteswissenschaft, Philosophie und Religion(en), Dichtung/Literatur, Mythen, Geschichte und auch Naturwissenschaften bilden einen wesentlichen Teil meiner nahezu unstillbaren Interessen und fließen in meine Gesprächskonzerte ein.
David Hume
Ein echter Menschenfreund, ein gutmütiger, aber scharfsinniger Freigeist, den Kant überaus schätzte. War erstrangiger Historiker, schrieb ein grundlegendes mehrbändiges Werk über die Geschichte Britanniens, war dick, tolerant, und wohlwollend gegenüber allen Menschen – starb souverän und entspannt als Agnostiker.
"Nichts ist freier als der Gedanke des Menschen."
Nothing is freer than the thought of man.
David Hume
* 26. April 1711 in Edinburgh, † 25. August 1776 ebenda