Stefan Mickisch

Stefan Mickisch

* 05.07.1962
† 17.02.2021 in Schwandorf
Erstellt von
Angelegt am 23.02.2021
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Neueste Einträge (162)

Gedenkkerze

Inge Soder

Entzündet am 08.04.2024 um 10:15 Uhr

Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto Busoni * 1. April 1866 in Emboli bei Florenz - + 27.Juli 1924 in Berlin
Auszug aus: Entwurf einer neuen Ästhetik in der Tonkunst
Insel- Bücherei Nr. 202, Seite 47


 Und Tolstoi läßt einen landschaftlichen Eindruck zu Musikempfindung werden, wenn er in "Luzern" schreibt:

Weder auf dem See, noch in den Bergen, noch am Himmel gab es eine einzige ununterbrochene Linie,
eine einzige ungemischte Farbe, einen einzigen ruhigen Punkt: überall war Bewegung,
Unsymmetrie, Phantastik, eine unaufhörliche Vermengung und Verschiedenheit der Schatten und Linien,
und zugleich die Ruhe, Milde, Einheit und Notwendigkeit des Schönen
.
Und mitten in dieser unbestimmten, verworrenen und freien Schönheit lag unmittelbar vor meinem Fenster der dumme,
künstliche weiße Kai mit den gestützten Lindenbäumchen und den grünen Bänken;
alle diese armseligen und banalen Werke von Menschenhand waren nicht wie die fernen Villen und Ruinen
in der allgemeinen Harmonie und Schönheit aufgegangen, sondern widersprachen ihr auf die gröblichste Weise.


Lew Nikolajewitsch Tolstoi, * 28.August 1828 + 7. November 1910 (julian.Kalender)
Luzern - Aus den Aufzeichnungen des Fürsten D. Nechljudow
Deutsch von Alexander Eliasberg. Insel-Verlag zu Leipzig

Gedenkkerze

Inge Soder

Entzündet am 03.04.2024 um 11:50 Uhr

Frei ist die Tonkunst geboren und frei zu werden ihre Bestimmung.
Sie wird der vollständigste aller Naturwiderscheine werden durch die Ungebundenheit ihrer Unmaterialität.
Selbst das dichterische Wort steht ihr an Unkörperlichkeit nach; sie kann sich zusammenballen und kann auseinanderfließen,
die regloseste Ruhe und das lebhafteste Stürmen sein; si ehat die höchsten Höhen,
die Menschen wahrnehmbar sind -- welche anderer Kunst hat das ? --,
und ihre Empfindung trifft die menschliche Brust mit jener Intensität, die vom "Begriffe" unabhängig ist.
Sie gibt ein Temperament wieder, ohne es zu beschreiben, mit der Beweglichkeit der Seele,
mit der Lebendigkeit der aufeinanderfolgenden Momente; dort wo der Maler oder der Bildhauer nur eine Seite oder einen Augenblick,
eine "Situation" darstellen kann und der Dichter ein Temperament und dessen Regungen mühsam durch angereihte Worte mitteilt.
Darum sind Darstellung und Beschreibung nicht das Wesen der Tonkunst;
somit sprechen wie die Ablehnung der Programmmusik aus und gelangen zu der Frage nach den Zielen der Tonkunst.

Ferruccio Dante Michelangelo Benvenuto Busoni
Pianist, Komponist, Musikpädagoge, Dirigent, Essayist
* 1. April 1866 in Emboli bei Florenz - + 27.Juli 1924 in Berlin
Auszug aus: Entwurf einer neuen Ästhetik in der Tonkunst
Insel- Bücherei Nr. 202, Seite 8

 

Gedenkkerze

Inge Soder

Entzündet am 31.03.2024 um 10:41 Uhr

Osterpredigt in Reimen

Verehrter Mitmensch, höre und vernimm
Freundwillig mit Hulden und ohne Grimm:
Dieweil es nun Ostern geworden ist,
Sollst du, von welcher Art du auch bist,
Ob Heide, Jude, Moslem, Christ,
Durchaus vergnügt im Herzen sein,
Osterwürdig und osterrein.

Mit einem Birkenreise kehre
Aus deiner Seele den Geist der Schwere!
Der Wenns und Abers und Achs und Os,
Die hart und starr dein Herz umwindet,
Dass der Geist der Leichte kaum Eingang findet,
Mache dich hurtig und heiter los!

Du brauchst nichts weiter dazuzutun,
Als dich im Grünen auszuruhn.
Da atmet sichs sehr wonnig ein,
Was dir das Herz macht frei und rein:
Der jungen Blumen frischer Hauch;
Und die Augen haben der Wonne auch,
Denn nichts ist lieblicher anzusehn,
Als wie sie da hold beisammenstehn,
Blau, weiß und rosa, klar und licht,
Der Erde süßestes Ostergedicht.

An ihnen dir ein Beispiel zu nehmen,
Sollst du, ach Mensch, dich keineswegs schämen!

Vergiss dein Gehirn eine Weile und sei
Gedankenlos dem lieben Leben
Blumeninnig hingegeben;
Vergiss dein Begehren, vergiss dein Streben
Und sei in seliger Einfalt frei
Des Zwangs, der dich durchs Hirn regiert!

Er hat dich freilich hoch geführt
Und vieles dir zu wissen gegeben,
Aber das allertiefste Leben
Wird nicht gewusst, wird nur gespürt.
Der Blumen zarte Wurzeln fühlen
Im keimlebendigen, frühlingskühlen
Erdboden mehr von ihm als du.
Und bist doch auch ein Kind der Erde.
Dass sie nicht sinnenfremd dir werde,
Wende ihr heut die Sinne zu!

Das ist der festlich tiefe Sinn
Der Ostertage: Mit Entzücken
Sollst du zum Mutterschoß dich bücken.
Gib heut, o Mensch, dich innerst zu beglücken,
Der Mutter Erde frühlingsfromm dich hin!

Otto Julius Bierbaum*28.6.1865 in Grünberg/Niederschlesien; + am 1.2.1910 in Kötzschenbroda bei Dresden.
Gedichte

Gedenkkerze

Inge Soder

Entzündet am 30.03.2024 um 09:50 Uhr

Auferstehung

Wenn einer starb, den du geliebt hienieden,
So trag hinaus zur Einsamkeit dein Wehe,
Dass ernst und still es sich mit dir ergehe
Im Wald, am Meer, auf Steigen längst gemieden.

Da fühlst du bald, dass jener, der geschieden,
Lebendig dir im Herzen auferstehe;
In Luft und Schatten spürst du seine Nähe,
Und aus den Tränen blüht ein tiefer Frieden.

Ja, schöner muss der Tote dich begleiten,
Ums Haupt der Schmerzverklärung lichten Schein,
Und treuer - denn du hast ihn alle Zeiten.

Das Herz auch hat sein Ostern, wo der Stein
Vom Grabe springt, dem wir den Staub nur weihten;
Und was du ewig liebst, ist ewig dein.

Emanuel Geibel 1815-1884

Gedenkkerze

Inge Soder

Entzündet am 26.03.2024 um 22:35 Uhr

Ostern

VIOLETTE Wellen schwingen
über braunen Brachgeländes dampfende Schollen.
Millionen funkelnder Sonnenstrahlen
tanzen mit lächelndem Gruß
auf Goldsandalen durch taufrische Lande. 
Am Wege die jungen Birken,
mit bräutlichen Schleiern angetan,
wiegen sich leicht in den Hüften,
frühlingsahnungstrunken.

Irgendwo im leise grünenden Gezweig
hängt ein lockendes Amsellied ...
Sehnsucht flügelt durch die Luft.
Den Weg herauf rieseln, verloren,
ein paar welke Blätter,
wie klirrendes Glas —,
späte Mahner herbstbunter Vergänglichkeiten ...

Die aber ruhen längst
unter nun berstenden Schollen
einer verjüngten, fruchtersehnenden Erde,
kehren wieder als frühlingsfrische Pracht
neu hoffender, selig tanzender Sonnentage ...

Auferstehen ringsum aus Dunkelheiten
winterlicher Erdenhaft,
aus Enge und Qual...

Heiland — Menschen — Völker — Welten:
Alles kommt zur Erlösung und ewigen Wiederkehr!

Richard O. Koppin - Psychologe, Schriftsteller 1879 - 1939
Aus: Gedichtband Panflöte, Seite 7, 1925

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